Ein klares Jein, Andi.
Dieses "Geiz-ist-geil"-Gen steckt tief in unseren Köpfen drin. Ich nehme mich da nicht aus. Und die überwiegende Mehrheit der Menschen greift bei scheinbar gleicher Leistung zum günstigeren Produkt.
Das ist weder subjektiv noch objektiv irgendjemandem übel zu nehmen.
1. bekommen wir es über die Glotze eingetrichtert, dass wir eigentlich früher alles viel zu teuer bezahlt haben und Telefon, Strom, Versicherungen, ... eigentlich immer nur noch günstiger werden.
2. gibt's ja seit knapp 20 Jahren das Internet, dessen kommerzielle Seite seit vielleicht 7 - 10 Jahren förmlich explodiert ist. Dort findet der konsumbereite Käufer, mit etwas Hartnäckigkeit alles, aber auch wirklich alles. Und bequem ist es auch noch. Man muss nicht mal mehr in die Stadt fahren.
Im Zweifel war eben dieser Konsument auch schon lange nicht mehr in der Stadt, sonst hätte er bemerkt, dass die allermeisten, spezialisierten Einzelhändler, von denen Mutter und Vater so oft erzählt haben, gar nicht mehr existieren.
Der Angelladen, der kleine Bücherladen, der Optiker, der Spielwarenladen, das Haushaltswarengeschäft, ... , alle weg.
An deren Stelle sind nun die großen Filialisten getreten oder der verzweifelte Neubürger mit Migrationshintergrund, der mit seinem 1-Euro-Telefon-Internet-Gemischtwaren-Kiosk versucht seine Großfamilie durch zubringen.
Effekt: Die Innenstädte veröden und das im Umfeld verfügbare Angebot wird schlechter bzw. weniger differenziert. Der Konsument (also wir) haben zwar jetzt günstigere Waren, aber weniger Auswahl.
Anncarina verweist an dieser Stelle sicher gerne auf
John Ruskin. In gewissen und engen Grenzen teile ich die Meinung. Man sollte jedoch nicht außer acht lassen, das die Waren und Dienstleistungen durch die Industrialisierung tatsächlich günstiger geworden sind (gleiche oder bessere Qualität bei gleichem oder geringerem Preis).
Der von dir beschriebene Kunde wird vielleicht in 5 Jahren, wenn er wieder einen Audi kaufen will feststellen, dass es das Autohaus gar nicht mehr gibt, wo er gestern noch so großspurig heraus stolziert ist

Audi hat gar keine Autohäuser mehr, weil man sich so den Zwischenhändler spart. Das Auto wird im Internet zusammen geklickt und wird dann gegen Aufpreis geliefert.
Nix mehr Rabatt! Zuzüglich Versandkosten! Nix mehr Schwarzgeld waschen! Nix mehr Kaffee und Gebäck! Nix mehr nettes Verkaufspersonal!
Eine Werkstatt in jedem 2ten Dorf? Nee, wieso denn? Meinen DVD-Player muss ich ja auch ordentlich (am besten im original Karton) verpackt an eine Adresse in Brandenburg schicken und hoffen, dass alles gut geht.
Klar, ein Auto wird nicht verschickt, sondern abgeholt und zu einer Serivcezentrale irgendwo in Europa gebracht. Klar man bekommt dann auch einen Ersatzwagen. Der Leihwagenpreis wird einem auch gerne auf den Preis eines Neuwagens angerechnet
Sicher ist das alles deutlich Überzeichnet, vielleicht auch zu langatmig formuliert, aber im Kern hoffentlich deutlich:
Wir sind selbst verantwortlich.
Wir haben mit unserem Kaufverhalten sehr viele Veränderungen bewirkt und können dies weiterhin.
Dienstleistungen haben im strengen Sinne keinen Preis, sondern einen Wert. Und den bemisst und vergütet jeder ein bisschen anders
